Maude und Luc - 5

Keuchend lehnte Maude an der Haustür. Sie zitterte vor Kälte und tastete mit klammen Fingern nach dem Lichtschalter.

Klatschnass klebten das ärmelose Top und die Shorts an ihrer Haut. Aus ihrem Pferdeschwanz tropfte das Wasser. Rann eiskalt ihren Rücken hinab.

Bri drückte sich winselnd an ihre Beine.

Erleichterte atmete Maude auf, als ihre Finger endlich den Lichtschalter ertasteten und das Licht über dem Esstisch aufflammte. Und rückte ein Stück von Luc ab, der ebenfalls schwer atmend an der Haustür lehnte.

Sein T-Shirt klebte an seinem Oberkörper. Und aus den Säumen seiner verwaschen Jeans tropfte des Wasser. Sammelte sich als See um seine ausgetretenen Turnschuhen.

Maude seufzte.

Wie hatte sie nur so blöd sein können.

Sie hatte gehandelt, ohne über die Folgen nachzudenken.

Jetzt musste sie Luc beherbergen. Bis das Gewitter vorbei und die Straße wieder gefahrlos befahrbar war.

Er wäre bestimmt noch rechtzeitig in Roche-Chérie angekommen, bevor die Straße unpassierbar wurde.

Doch jetzt war es zu spät.

Im günstigsten Fall dauerte es eine Stunde, bis Luc losfahren konnte. Über was sollte sie sich bloß eine Stunde lang mit ihm unterhalten. Vermutlich erwartete er sogar, dass sie ihm etwas zum Essen machte.

Ihr Blick blieb an seinem nassen T-Shirt hängen.

Auf alle Fälle musste sie ihm trockene Kleidung bringen.

Ihr Blick blieb an seinem nassen T-Shirt hängen. Sie hatte bisher nicht bemerkte, wie muskulös sein Oberkörper war. Durch seine Größe und seinen schlaksigen Körper hatte sie ihn bisher eher für den mageren, kantigen Läufertyp gehalten. Doch unter seinem nassen T-Shirt zeichneten sich überraschend runde Schultern ab. Und am Bauch schienen sich unter dem nassen Stoff sogar die rechtwinkligen Linien eines Waschbrettbauches abzuzeichnen.

Ruckartig wandte sie sich ab, schob Bri beiseite und rannte zur schmalen Treppe, die auf der gegenüberliegenden Seite ohne Geländer steil an der Wand entlang hinauf in den ersten Stock führte.

"Ich hole Dir ein Handtuch.", rief sie über die Schulter zurück.

Aufatmend schlug sie die Schlafzimmertür hinter sich zu. Wenigstens für ein paar Minuten war sie allein und nicht gezwungen, sich mit Luc zu unterhalten. 

Sie schälte aus ihrer nassen Kleidung, die an ihr klebte, wie eine zweite Haut. Mit einem Handtuch rubbelte sie ihre Haut trocken, bis sie rot war und unangenehm brannte.

Aber wenigstens war ihr jetzt warm.

Maude schlüpfte in eine bequeme Jogginghosen und einen unförmigen Rollkragenpullover.

Bevor sie den Blick durch ihren Kleiderschrank gleiten lies. Auf der Suche nach etwas Passendem für Luc.

Luc war mindestens einen Kopf größer als sie. Und seine Schultern deutlich breiter als ihre. Das alte Flanellhemd ihres Bruders, das sie zum Anstreichen trug, würde ihm vermutlich passen. Es hatte zwar ein paar weiße, mintgrüne und himmelblaue Farbflecken. Aber das war ja egal.

Außerdem hatte sie noch die Jogginghose, die sie aus Versehen eine Nummer zu groß bestellt hatte. Und dann vergessen hatte zurück zu schicken. 

Dazu noch ein Handtuch.

Perfekt.

Zufrieden stieg Maude steilen Stufen ins Erdgeschoss zurück.